Tansania

Tansania_GrabenIn Tansania unterstützte das MH seit mehreren Jahren verschiedene Projekte im Norden und Osten des Landes. Die Zusammenarbeit erfolgte dabei in der Regel mit Einrichtungen und Organen der Mennonitischen Kirche Tansanias (Kanisa la Mennonite Tanzania, KMT), in einem Fall mit dem Bethsaida Centre for Health and Development, einer mennonitischen Krankenstation. Im Norden des Landes gibt es seit mehreren Jahren Projekte mit der KMT Newland, einer Gemeinde, die zur Norddiözese gehört. Neu hinzu kam in 2013 die Zusammenarbeit in einem Wasserprojekt mit der North Mara Diocese in Shirati, ebenfalls im Norden bzw. Nordwesten Tansanias. In der Ostdiözese besteht eine gute partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Nichtregierungsorganisation Jamii Empowerment Inititative (JEI). Diese unterstützt – unter dem Dach der Ostdiözese – verschiedene nachhaltige und soziale Projekte im gesamten Land und versucht, die Menschen im Sinne des „empowerment“-Ansatzes zu unterstützen. Außerdem wird der Aufbau einer Gesundheitsstation in Nyantira, am Rand der Millionenstadt Dar es Salaam unterstützt. Die Projekte im Einzelnen:

Bethsaida Home Care Projekt

Trotz Verbesserungen im Gesundheitssystem ist die medizinische Versorgung in Tansania nach wie vor unbefriedigend. Insbesondere die ländliche Bevölkerung hat nur schwer Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen und noch immer wird ca. die Hälfte der Krankenhäuser und Gesundheitsstationen von kirchlichen Trägern bereitgestellt. Seit April 2012 unterstützt das MH die Arbeit des Bethsaida Krankenhauses am Rande der Stadt Musoma im Norden Tansanias. Ziel des Projekts ist es, ein Versorgungskonzept zur häuslichen Behandlung von Kranken zu entwickeln, das auch in anderen Gegenden Tansanias angewendet werden kann Ausgangspunkt für die Entwicklung und Erprobung ist das Bethsaida Krankenhaus, das in den letzten Jahren durch große Unterstützung von Freundeskreisen aus Holland und vom niederländischen Hilfswerk Doopsgezind Wereld Werk dWW aufgebaut wurde und dort eine wichtige medizinische Versorgungslücke schließt. Mit seinen Versorgungsangeboten, zu dem auch ein Labor gehört, stellt es die Basis für die mobile medizinische Versorgung im umliegenden Projektgebiet dar: dem ländlichen Kigera Ward mit seinen ca. 22.000 EinwohnerInnen. Die mobilen Teams fahren dazu drei Mal pro Woche mit dem Auto in die umliegenden Dörfer, um die Patienten besuchen. Ein Krankenbesuch dauert durchschnittlich eine Stunde. So konnten ca. 5-8 Patienten täglich besucht und – wenn nötig – zu weiterführenden sozialen Hilfsangeboten oder beispielsweise zur HIV/AIDS-Prävention sowie Familienplanung beraten werden. Das Team wird vom Projektleiter begleitet, der für die Dokumentation, Datenerhebung und Evaluierung zuständig ist. Das Projekt ist mittlerweile mit verschiedensten staatlichen Akteuren und weiteren karitativen Hilfsangeboten abgestimmt und vernetzt, um eine möglichst hohe Qualität der Behandlung zu gewährleisten.

Newland-Tansania_100Newland

Die Zusammenarbeit mit der Norddiözese und der dortigen Mennonitengemeinde in Newland, einem Dorf am Fuße des Kilimanjaros gelegen, besteht mittlerweile seit mehreren Jahren. Die erste Phase des Projekts – die Elektrifizierung der Mennonitengemeinde sowie der dortigen Schule – konnte bereits vor einiger Zeit erfolgreich abgeschlossen werden. Die zweite und abschließende Projektphase, der Anschluss einer Hochleistungspumpe, die zur Bewässerung der umliegenden Feldern dienen und durch den Verkauf von Feldfrüchten eine zukünftige Einnahmequelle darstellen soll, wird zur Zeit mit Unterstützung und Anleitung von JEI, durchgeführt und gestaltet sich sehr positiv.

Jamii Empowerment Initiative (JEI)

Seit August 2010 ist JEI eine registrierte Nichtregierungsorganisation in Tansania, gegründet von der Ostdiözese der KMT mit Sitz in Dar es Salaam. Im Gegensatz zu dem MH, das mit Projektpartnern wie zum Beispiel JEI kooperiert und die Projekte dieser Partner unterstützt, führt JEI selbst vor Ort Projekte und Schulungen durch. Ein Prioritätenbereich der Ostdiözese sind « Projects and Economic Developments » (Projekte und Wirtschaftliche Entwicklung). Um die sozio-ökonomischen Entwicklungsziele der KMT durchführbar zu machen, wurde die JEI gegründet. Die sechs Hauptziele der JEI sind :

  1. 1. Verbesserung des Gesundheitssystems und sanitärer Einrichtungen
  2. 2. Erhöhung des Zugangs der Bevölkerung zu sauberem Wasser
  3. 3. Verbessertes wirtschaftliches Wachstum und Armutsreduzierung
  4. 4. Erhöhten Zugang zu Bildungseinrichtungen und ‘soft skills’
  5. 5. Erhöhte Ernährungssicherung in Haushalten durch kommerzialisierte Landwirtschaft
  6. 6. Ganzheitliches Umweltmanagement

JEI arbeitet mit der Vision die Gesellschaft nachhaltig so zu stärken, dass bittere Armut besiegt werden kann. Durch ‘capacity building’ (Aufbau von Kapazitäten) und ‘empowerment’ (Befähigung) sollen Menschen befähigt werden einen qualitativ hochwertigen Lebensstandard zu erreichen. Durch einen sozial-unternehmerischen Ansatz (‘social entrepreneurial approach’) will JEI einzelne Menschen in den KMT Gemeinden und in der Gesellschaft motivieren nicht nur die Probleme zu sehen, sondern zu erkennen wo sie selbst Ressourcen zur Veränderung besitzen- und seien diese Ressourcen noch so klein. JEI sieht diejenigen, die von Armut betroffen sind als Teil der Lösung und nicht als passive Empfänger von Hilfe. Da die Zielgruppe von JEI jedoch von krasser Armut betroffen ist braucht es zusätzlich Unterstützung von außen. Diese Unterstützung möchte JEI geben. So werden zum Beispiel regelmäßig Schulungen für Kleinkredit- und Spargruppen durchgeführt. Die Mitglieder dieser Gruppen lernen wie sie ihre eigenen kleinen Unterhmen führen können um wirtschaftlich auf eigenen Füßen zu stehen.

rain-harvestingWassertanks des Community Centers in Shirati (“Rain Harvesting Projekt”)

In der North Mara Diözese, in der Nähe des Viktoriasees gelegen, wurde 2013 ein Projekt mit der KMT in der Stadt Shirati abgeschlossen. Hier fand einst in den 1930er Jahren die mennonitische Missionierung Tansanias ihren Beginn. Infolgedessen findet sich in den heutigen Tagen der höchste Anteil von Mennoniten in Tansania in dieser im Nordwesten des Landes gelegenen Region. Weiterhin werden zahlreiche Hilfsangebote unter dem kirchlichen Dach angeboten, u.a. ein großes Krankenhaus. Ein Projekt konnte gemeinsam durch die Unterstützung des MH und einer Eigenfinanzierung durch die Diözese abgeschlossen werden. Ziel war es, die konstante Wasserversorgung des Guest House sowie der Mitarbeitenden der Diözese, die im Gebäudekomplex des Community Centers der Diözese untergebracht sind, auch über die Trockenzeit hinweg zu gewährleisten. In der Vergangenheit wurden mit dem Ziel, die quantitative wie qualitative Wasserversorgung zu verbessern, Tiefbohrungen durchgeführt. Leider scheiterte die Realisierung und Förderung von Grundwasser immer am steinigen und durch zahlreiche Verwerfungen gekennzeichneten Untergrund und Wasser musste teuer daher eingekauft werden. Als Alternative und Lösung bot sich das Sammeln von Regenwasser an, das in den Regenzeiten von dem Dach der Verwaltungsgebäude abläuft und nun in vier großen, jeweils 10.000 Liter fassenden Tanks gesammelt wird. Mit der Realisierung des Projekts wird auch die finanzielle Unabhängigkeit der Diözese für deren Arbeit verbessert: Das Zentrum dient als Gemeindemittelpunkt und Anlaufstelle vieler BesucherInnen aus dem In- und Ausland. Sie werden wie auch gelegentlich BesucherInnen, Mitarbeitende und Freiwillige des nebenan gelegenen Krankenhauses im zugehörigen Guest House untergebracht. Das Guest House wiederum dient ebenso als Einnahmequelle der Diözese. Wir sind außerdem froh, dass wir während einer Projektreise im März die verschiedenen Partner und Projekte besuchen und so den direkten Kontakt pflegen konnten.

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